Mein bester Freund – der Feminist, der Masku, das Chamäleon?

Eine Männerfreundschaft, die an Sexismus zerbricht: Here we go again!

[Trigger-Warnung: Abusive Friendship, körperliche Grenzüberschreitung/ fehlender Konsens: die Stelle wird im Text markiert]

Vor sieben Jahren haben wir uns kennengelernt und wurden beste Freunde. Ich will mich noch ein mal erinnern. Vor sieben Jahren, an Valentinstag, denn das ist der Tag, an dem eine gemeinsame Bekannte von uns Geburtstag hatte. Es war ihr 18. Ich stand inmitten dieser Party, wo Chartshits liefen und in meiner Gruftie-Hochphase. Nach einigen erfolglosen Versuchen locker zu werden, beschloss ich, dass der Abend so nicht enden durfte. Ich schaute mich um und sah dich: Du saßt allein mit deinem Bier an einem Tisch und sahst so gelangweilt aus wie ich es war. Ich setze mich zu dir, fragte dich, ob wir uns gemeinsam langweilen wollten. Wir blieben nicht lang bei Smalltalk, denn schnell kamen wir aufs Schreiben, ich Lyrik und Kurzgeschichten, du Raptexte. Als Gruftie hatte ich meine Vorurteile gegenüber Hip Hop, doch ich wusste auch, dass ich keine Ahnung hatte und hörte dir zu, um nachzuvollziehen, was Leute daran mochten. Später standen wir vor dem Partysaal und ich rauchte meine erste Kippe mit dir. Du fragtest, ob ich mit zu dir nach hause kommen würde, wo du mir die Uhrensammlung deines Vaters zeigen wolltest. Da das nach der plattesten Anmache seit Menschengedenken klang, fing ich laut an zu lachen und war mir sicher, dass du das nicht so gemeint haben konntest.

scriptfehler (kurzgeschichte)

[Content Warning: Es geht um BDSM und enthält einige sexuell-explizite
Stellen. Außerdem behandelt es eine missglückte BDSM-Affäre, aufgrund
von Sprachlosigkeit, Sexismus, fehlender Awareness.]

Jemand hält ein BDSM-Halsband
ich drück mir die stöpsel tiefer in die ohren. der bus kommt, ich steige ein. song auswählen, den vom letzten mal, der die erinnerung frischer färbt. der bus fährt los.
ich schaue auf mein handy. hausnummer 21, hat Er geschrieben. dort wohnt Sie. Ich bin nicht aufgeregt. kein bewusstes atmen gegen die angst vor dem mut. nur ein versinken in der bassline und sich erinnern an Seinen satz: küss Sie, dass Sie nicht mehr aufhören will und mein Sie-mustern und abstellen des strawberrydaiquiriglas. der dumpfe klang auf dem tisch, meine armbewegung kündigen eine neue szene an. ab hier kein zurück mehr, das wäre ein scriptfehler. ein luftholen gegen die angst vor dem mut. und dann die feine pinselführung, Ihr rot geschminktes lächeln. es schmeckt süßlich und schüchtern. Sie will nicht aufhören, ist es, die mich wild umschlingt, Ihre beine um mich schließt. ich schmecke den duft in Ihrem nacken, rosa und ein bisschen bordeaux. ziehe die linie Ihrer taille nach. fühl mich viel zu groß, mit meiner hand, die Ihre ganze brust bedeckt. bin der macker aus den filmen mit einer zierlichen lady auf dem schoß. bin breitbeinig und überfordert. geschlechtergrenzen im kopf verwischen. ich bin gleichzeitig. genieß unsere neugierigen finger. sehe Ihn, wie Er uns beobachtet, mit selbtgefälligem grinsen: der anfang ist gemacht, mit lesbenintro, jetzt gehts los. Er merkt nicht, dass ich schwul bin, als ich Ihn liebkose. bin wieder frau, als Er mich in die knie zwingt. submissiv, masochistin: Er zieht mir meine alte rolle an. zieht mich aus.

Gefühle und Tastaturen (Kurzgeschichte)

Im Zug bin ich mir einig, dass es selten gut ist, Erwartungen an ein Wochenende zu haben und lass die Gedanken bei den vorbeiziehenden Schneelandschaften.
Bei dir stelle ich fest, das ich doch welche habe:
Das wieder aufleben lassen, was mal war. Das Feuer neu schüren, wie du es formuliert hast. Dich so sehen, dass ich sagen kann: Ich hab dich gesehen und nicht nur Zeit mit dir verbracht. Irgendwann, wie beim letzten Mal, fast ohrwurmartig den Satz im Kopf haben „Ich bin ein bisschen verliebt“, ihn nicht ernster nehmen, als ich will, das Undefinierte zwischen uns zelebrieren, mich freuen über den Ausblick auf die zugeschneiten Fachwerkdächer und auf deine vollgeschriebenen Wände.
Wir haben die Nacht ausgesperrt. Sie drückt ans Fenster, füllt es aus mit dichtem Schwarz. Der Tag im Zimmer gehört Diskussionen über Anti-Diskriminierungspolitik und wir merken nicht, wie sich die Nacht draußen auflöst und Müdigkeit ins Zimmer sickert.