Gute Opfer, schlechte Opfer

#MeToo: Warum ich schwieg, log und mich schämte und warum jede Form von Victim-Blaming gefährlich ist.

[Content Warning: Sexuelle Belästigung, sexualisierte Gewalt, Freiheitsberaubung]

Zwei Stinkefinger, mit rot lackierten Fingernägeln, vor grünem Hintergrund.

Immer, wenn ich unter dem #metoo-Hashtag Erfahrungen anderer lese, höre ich die Stimme, die mir sagt: „Du darfst auch auspacken!“ und die Scham, die mich bei einem bestimmten Vorfall daran hindert. Aber ich habe mich endlich entschieden, das Erlebnis zu teilen. Davon wissen nur wenige Menschen, weil ich es oft nicht schaffe, darüber zu sprechen ohne mich selbst fertig zu machen. Egal, wie feministisch ich bin, es fällt mir trotzdem schwer, die Schuld nicht bei mir zu suchen. Das zeigt wie fucked-up Victim-Blaming und Rape Culture sind. Da aktuell ein Zeit-Artikel rumgeht, der Frauen dazu auffordert, sich einfach weniger zu schminken und nichts anderes als Victim-Blaming betreibt, führe ich anhand meiner Erfahrungen mal aus, was passiert, wenn man sich als Betroffene die Schuld selbst gibt. Kurze Antwort: Es spielt dem Täter in die Hände und fördert das Schweigen Betroffener. Nicht überraschend. Überhaupt ist das nicht etwa ein Thema, zu dem es nicht schon drölfzigtausend feministische Artikel gibt. Aber das reicht offensichtlich noch immer nicht.

Jugendzeitschriften, oder: Eine Lektion in Slutshaming

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(cc) Annamaria B.

In diesem Text beziehe ich mich auf meine eigenen Erfahrungen, rekonstruiere meine Wahrnehmung als Kind und behandle ausdrücklich Cis-Weiblichkeiten, weil ich für Trans* nicht sprechen kann.

 

Es gibt wohl nichts peinlicheres als beim Masturbieren erwischt zu werden – egal in welchem Alter. Wenn es nicht gerade die_der Liebste ist oder die sexpositive Mitbewohnerin, sondern eine Person, die mir zuvor noch erklärt hat, warum zu viel Sex schlecht ist und dass Menschen, die ihre Triebe kontrollieren, erfolgreicher sind…
Und dann sitz ich wie versteinert da und überlege mir, was jetzt am schlausten wäre. Hier ist wohl die nächsten Tage erröten und in Gedanken den Schädel gegen ne Kante hauen die einzige Option. Ach ja, und hoffen, dass sie die Situation morgen vergessen wird. Haha.
Die andere Möglichkeit ist einen Text zu schreiben, damit die Welt was zu lachen hat. Bitte sehr. Das Thema ist aber nicht wirklich zum lachen, sondern sehr politisch.