Mimicry: Girlfag in a nutshell

„Mimicry“-DVD
Vor ein paar Tagen kam die „Mimicry“-DVD bei mir an!

Mimicry“ ist ein mittellanger Spielfilm von Jennifer von Schuckmann aus Frankfurt am Main, mit Freya Kreutzkam in der Hauptrolle. Es ist der erste Film, der explizit von einer schwulen Frau handelt – der Coming-Out-Film, auf den alle Girlfags gewartet haben! Ich habe das Vergnügen ihn zu rezensieren.
Selbst wenn man die Handlung kennt, ist der Film noch spannend – trotzdem: SPOILER ALERT! Ich habe euch gewarnt.

Mimis Selbstfindung

Die Protagonistin Mimi (Freya Kreutzkam) ist eine Japanologie-Studentin in ihren Zwanzigern, die von einer unglücklichen Hetero-Begegnung in die nächste gerät. Sie begibt sich in der Queer- und Techno-Clubszene auf die Suche nach sich selbst. Mimi schlüpft in verschiedene Rollen, schläft mit Männern und Frauen, schneidet sich übereilt die Haare ab und schnürt sich die Brüste weg – doch findet keine Ruhe. Auf einer Party vertraut Mimi ihre Identitätskrise einer Drag Queen (Aetschy) an: „Ich bin kein Mann und auch keine Frau“. Die Drag Queen antwortet: „Du bist so viel mehr als das. Vielleicht hast du bisher am falschen Ufer gesucht?“ Mimi wird klar, dass sie etwas ist, was es eigentlich nicht geben kann: Eine schwule Frau.

Girlfags und Fangirls

MittelfingerWer sich mit dem Thema Girlfags & Guydykes auseinander setzt, stellt schnell fest, dass sie in vielen queeren Kreisen alles andere als akzeptiert sind. Horrorgeschichten tauchten auf, von Frauen, die Gayromeo-Profile faken, um schwule Männer zu daten und „umzudrehen“. Eine Bekannte von mir wurde aus einer schwulen Beratungsstelle gejagt, als sie dort über die Verwirrung mit ihrer neu entdeckten Orientierung sprechen wollte.
Girlfags seien bloß Fetischist_innen, die Männer objektifizieren oder naive Yaoi/BL-Fans. Und Guydykes… gefährliche Typen, die Lesben belästigen.
Ich habe die Vermutung, dass viele Missverständnisse daher resultieren, dass der Begriff GirlFAG (Cis-)Schwulsein festzuschreiben scheint – vielleicht kommt daher die Panik, dass die große Girlfags-Armee schwule Räume stürmt und die Cis-Typen belästigt. Als hätten Girlfags nur die Option…

Songs über Girlfags: Eine kleine Liste.

Ich habe ein paar Songs über Girlfags gesammelt. Falls ihr noch mehr kennt, lasst es mich wissen! Wär toll, wenn die Liste noch länger wird.
Genauer gesagt, es sind Songs über Girlfags im weitesten Sinne:
Das thematische Spektrum reicht von „Ich hab mich in einen schwulen Mann verliebt“, bis zu Träumen von einer Dreiecksbeziehung oder „Ich wär so gern ein Junge…“

1. Peaches: Two guys for every girl

(…) I wanna see you boys get down with each other
I wanna see you do your little nasty brother
Just one thing I can’t compromise
I wanna see you work it guy on guy
On guy, guy, guy, guy (…)

2. Schneewittchen: Mark & Richard

(…) Wenn ein Mann einen Mann liebt,
werd ich ganz verrückt!
Ach, ich wär so gern dazwischen,
davon wär ich entzückt. (…)

Neben der Spur des Regenbogens: Ich bin ein Schwules Mädchen.

Genderqueer-Girlfag
Genderqueer-Fahne mit dem Girlfagsymbol

Seit einem halben Jahr bezeichne ich mich als Girlfag. Ich habe lange dieses Begehren gespürt, nur fehlte mir die Sprache etwas zu erfassen, das es nicht zu geben schien.

Versuche meine Gefühle anderen näher zu bringen verursachten immer überforderte Gesichter. In ihren Augen sah ich kleine Warnlämpchen aufblinken: „Fehler im System! Fehler im System!“

Seit die Queerulant_in das Thema Girlfags und Guydykes als Schwerpunkt behandelt hat, hatte ich endlich ein Wort gefunden! Endlich wusste ich: Das existiert! Es schwirrte nicht mehr lose in meinem Kopf rum. Ich war völlig aus dem Häuschen, ein seltsames Kribbeln, ein: Ich bin nicht allein!

Gleichzeitig war mir klar, dass „Girlfag“ nur ein Versuch ist einem Begehren einen Namen zu geben und es für jede Person etwas anderes sein kann:
z.B sich als Frau schwulen Männern hingezogen fühlen, sich androgynen Männern hingezogen fühlen, als Frau das eigene Begehren für Männer als schwul empfinden – genderqueer oder genderfluid sein, ein „schwules Auge“ haben, Männer anders begehren als der Heteromainstream für Frauen vorgibt, „two boys for every girl“, sexuelle Praktiken und Fetische bevorzugen, die mit Schwulsein oder schwuler Subkultur und Ästhetik assoziiert werden wie etwa Lederbären oder Tom of Finland Bilder… und noch vieles mehr .