Mimicry: Girlfag in a nutshell

„Mimicry“-DVD
Vor ein paar Tagen kam die „Mimicry“-DVD bei mir an!

Mimicry“ ist ein mittellanger Spielfilm von Jennifer von Schuckmann aus Frankfurt am Main, mit Freya Kreutzkam in der Hauptrolle. Es ist der erste Film, der explizit von einer schwulen Frau handelt – der Coming-Out-Film, auf den alle Girlfags gewartet haben! Ich habe das Vergnügen ihn zu rezensieren.
Selbst wenn man die Handlung kennt, ist der Film noch spannend – trotzdem: SPOILER ALERT! Ich habe euch gewarnt.

Mimis Selbstfindung

Die Protagonistin Mimi (Freya Kreutzkam) ist eine Japanologie-Studentin in ihren Zwanzigern, die von einer unglücklichen Hetero-Begegnung in die nächste gerät. Sie begibt sich in der Queer- und Techno-Clubszene auf die Suche nach sich selbst. Mimi schlüpft in verschiedene Rollen, schläft mit Männern und Frauen, schneidet sich übereilt die Haare ab und schnürt sich die Brüste weg – doch findet keine Ruhe. Auf einer Party vertraut Mimi ihre Identitätskrise einer Drag Queen (Aetschy) an: „Ich bin kein Mann und auch keine Frau“. Die Drag Queen antwortet: „Du bist so viel mehr als das. Vielleicht hast du bisher am falschen Ufer gesucht?“ Mimi wird klar, dass sie etwas ist, was es eigentlich nicht geben kann: Eine schwule Frau.

Ich bin eine schlechte Bisexuelle und stolz drauf!

Ein Lolli mit einer Sprechblase, in der steht: "Bisexuals aren't real. We're just incredibly sexy hallucinations!"
„Bisexuals aren’t real. We’re just incredibly sexy hallucinations!“

Heute ist der 23. September 2017, also der Bi-Visibility-Day. Seit 2014 versuche ich für dieses Datum einen Artikel zu schreiben – eine Art Coming-Out-Text. Bislang bin ich immer daran gescheitert. Today is the day: Egal was heute (Ziel ist vor Mitternacht!) auf meinem Blog veröffentlicht wird – heute oder nie!
Warum fällt es mir eigentlich so schwer über meine Bisexualität zu schreiben? Bei den Poly- oder Girlfag-Artikeln hab ich’s doch auch geschafft. Vermutlich, weil ich sehr schnell in einer Schleife aus Rechtfertigungen lande: „Kuckt mal, ich bin echt! Akzeptiert mich!“ Das fühlte sich jedes mal falsch an, also ließ ich einen Entwurf nach dem anderen liegen. Oft merkte ich beim Schreiben, wie ich eigentlich nur versuchte zu beweisen, dass ich zu den „guten Bisexuellen“ gehöre. Ich hab den Mist zu gut verinnerlicht.

Neben der Spur des Regenbogens: Ich bin ein Schwules Mädchen.

Genderqueer-Girlfag
Genderqueer-Fahne mit dem Girlfagsymbol

Seit einem halben Jahr bezeichne ich mich als Girlfag. Ich habe lange dieses Begehren gespürt, nur fehlte mir die Sprache etwas zu erfassen, das es nicht zu geben schien.

Versuche meine Gefühle anderen näher zu bringen verursachten immer überforderte Gesichter. In ihren Augen sah ich kleine Warnlämpchen aufblinken: „Fehler im System! Fehler im System!“

Seit die Queerulant_in das Thema Girlfags und Guydykes als Schwerpunkt behandelt hat, hatte ich endlich ein Wort gefunden! Endlich wusste ich: Das existiert! Es schwirrte nicht mehr lose in meinem Kopf rum. Ich war völlig aus dem Häuschen, ein seltsames Kribbeln, ein: Ich bin nicht allein!

Gleichzeitig war mir klar, dass „Girlfag“ nur ein Versuch ist einem Begehren einen Namen zu geben und es für jede Person etwas anderes sein kann:
z.B sich als Frau schwulen Männern hingezogen fühlen, sich androgynen Männern hingezogen fühlen, als Frau das eigene Begehren für Männer als schwul empfinden – genderqueer oder genderfluid sein, ein „schwules Auge“ haben, Männer anders begehren als der Heteromainstream für Frauen vorgibt, „two boys for every girl“, sexuelle Praktiken und Fetische bevorzugen, die mit Schwulsein oder schwuler Subkultur und Ästhetik assoziiert werden wie etwa Lederbären oder Tom of Finland Bilder… und noch vieles mehr .