Ich bin eine schlechte Bisexuelle und stolz drauf!

Ein Lolli mit einer Sprechblase, in der steht: "Bisexuals aren't real. We're just incredibly sexy hallucinations!"
„Bisexuals aren’t real. We’re just incredibly sexy hallucinations!“

Heute ist der 23. September 2017, also der Bi-Visibility-Day. Seit 2014 versuche ich für dieses Datum einen Artikel zu schreiben – eine Art Coming-Out-Text. Bislang bin ich immer daran gescheitert. Today is the day: Egal was heute (Ziel ist vor Mitternacht!) auf meinem Blog veröffentlicht wird – heute oder nie!
Warum fällt es mir eigentlich so schwer über meine Bisexualität zu schreiben? Bei den Poly- oder Girlfag-Artikeln hab ich’s doch auch geschafft. Vermutlich, weil ich sehr schnell in einer Schleife aus Rechtfertigungen lande: „Kuckt mal, ich bin echt! Akzeptiert mich!“ Das fühlte sich jedes mal falsch an, also ließ ich einen Entwurf nach dem anderen liegen. Oft merkte ich beim Schreiben, wie ich eigentlich nur versuchte zu beweisen, dass ich zu den „guten Bisexuellen“ gehöre. Ich hab den Mist zu gut verinnerlicht.

scriptfehler (kurzgeschichte)

[Content Warning: Es geht um BDSM und enthält einige sexuell-explizite
Stellen. Außerdem behandelt es eine missglückte BDSM-Affäre, aufgrund
von Sprachlosigkeit, Sexismus, fehlender Awareness.]

Jemand hält ein BDSM-Halsband
ich drück mir die stöpsel tiefer in die ohren. der bus kommt, ich steige ein. song auswählen, den vom letzten mal, der die erinnerung frischer färbt. der bus fährt los.
ich schaue auf mein handy. hausnummer 21, hat Er geschrieben. dort wohnt Sie. Ich bin nicht aufgeregt. kein bewusstes atmen gegen die angst vor dem mut. nur ein versinken in der bassline und sich erinnern an Seinen satz: küss Sie, dass Sie nicht mehr aufhören will und mein Sie-mustern und abstellen des strawberrydaiquiriglas. der dumpfe klang auf dem tisch, meine armbewegung kündigen eine neue szene an. ab hier kein zurück mehr, das wäre ein scriptfehler. ein luftholen gegen die angst vor dem mut. und dann die feine pinselführung, Ihr rot geschminktes lächeln. es schmeckt süßlich und schüchtern. Sie will nicht aufhören, ist es, die mich wild umschlingt, Ihre beine um mich schließt. ich schmecke den duft in Ihrem nacken, rosa und ein bisschen bordeaux. ziehe die linie Ihrer taille nach. fühl mich viel zu groß, mit meiner hand, die Ihre ganze brust bedeckt. bin der macker aus den filmen mit einer zierlichen lady auf dem schoß. bin breitbeinig und überfordert. geschlechtergrenzen im kopf verwischen. ich bin gleichzeitig. genieß unsere neugierigen finger. sehe Ihn, wie Er uns beobachtet, mit selbtgefälligem grinsen: der anfang ist gemacht, mit lesbenintro, jetzt gehts los. Er merkt nicht, dass ich schwul bin, als ich Ihn liebkose. bin wieder frau, als Er mich in die knie zwingt. submissiv, masochistin: Er zieht mir meine alte rolle an. zieht mich aus.