Polyamorie, Eifersucht & Ruhe finden

Eine Person liegt in der Badewanne und raucht
Eine Person liegt entspannt in der Badewanne und raucht. (Foto von Bart Scholliers)

Seit dem „Anxious Polys Unite“-Text ist viel Zeit vergangen und nach viel Poly-Drama und Endzeitstimmung habe ich so etwas wie Ruhe gefunden. Ich, die sich für einen hoffnungslosen Fall hielt und der einiger Leser_innen des genannten Artikels rieten es sein zu lassen, wenn „es nicht für dich ist.“

Ich finde es bemerkenswert, dass Menschen, die monogam leben und sich wegen eines Seitensprungs in einer Krise befinden, lauter Tipps bekommen wie sie es wieder hinkriegen, während das einzige, was einige Leute eifersüchtigen Polys zu sagen haben „Lass es halt“ ist.

Dieses Entweder-Oder-Denken über Bord zu werfen war entscheidend, um meiner langersehnten Ruhe näher zu kommen.

Ich will meinen Weg rekonstruieren – ohne es als Ratgeber zu meinen. Ich weiß wie sehr eifersüchtige Polys eine Abneigung gegen Ratgeber entwickeln können. 😉 Aber wer weiß, vielleicht findet sich ja ein weiter „hoffnungsloser Fall“ darin wieder?

Vorweg genommen: Dies ist mein Narrativ und es muss nicht deines sein. Damit bin ich schon bei meinem ersten Punkt:

Das eigene Narrativ finden

Gefühle und Tastaturen (Kurzgeschichte)

Im Zug bin ich mir einig, dass es selten gut ist, Erwartungen an ein Wochenende zu haben und lass die Gedanken bei den vorbeiziehenden Schneelandschaften.
Bei dir stelle ich fest, das ich doch welche habe:
Das wieder aufleben lassen, was mal war. Das Feuer neu schüren, wie du es formuliert hast. Dich so sehen, dass ich sagen kann: Ich hab dich gesehen und nicht nur Zeit mit dir verbracht. Irgendwann, wie beim letzten Mal, fast ohrwurmartig den Satz im Kopf haben „Ich bin ein bisschen verliebt“, ihn nicht ernster nehmen, als ich will, das Undefinierte zwischen uns zelebrieren, mich freuen über den Ausblick auf die zugeschneiten Fachwerkdächer und auf deine vollgeschriebenen Wände.
Wir haben die Nacht ausgesperrt. Sie drückt ans Fenster, füllt es aus mit dichtem Schwarz. Der Tag im Zimmer gehört Diskussionen über Anti-Diskriminierungspolitik und wir merken nicht, wie sich die Nacht draußen auflöst und Müdigkeit ins Zimmer sickert.