Ich bin mehr als Ms. Sexpositiv!

Ein paar Gedanken zu Sexpositivismus in queeren Räumen

Noch bis vor kurzem hätte ich mich selbstüberzeugt als „sexpositive Feministin” bezeichnet und Leuten, die abfällig von sexnegativen Feminist*innen als „prüde Emanzen” reden, erklärt, warum das total veraltet, Alicer Schwarzer ist und wie anders und cool ich bin.

Das liegt daran, dass mich der Sexpositivismus in queeren Räumen sehr empowert hat, ich ein anderes Verhältnis zu meinem Körper entwickeln konnte und mich weniger für Promiskuität, BDSM etc. schämte, auch wenn ich natürlich noch immer in einem Prozess stecke. Ich feier(t)e Lady Bitch Ray und „Feuchtgebiete”, traute mich plötzlich über Sex zu reden und nachzudenken, ohne mich hinter einem Schleier von Peinlichkeit zu verstecken. Ich traute mich Kurzgeschichten mit expliziten Sexszenen vorzulesen und sprach öffentlich diese Ironie oder Doppelmoral an, in der wir einerseits permanent von sexualisierten, normschönen Körpern umgeben sind, uns der Imperativ: „Hab Sex, sei alles außer prüde, kauf Dildos, guck Pornos!” in den Hinterkopf gepflanzt wird, während es andererseits als eklig und verstörend empfunden wird, wenn eine Frau ohne Hemmungen und vulgär über Sex und Körperlichkeit redet, als sei das eine Negierung ihrer Geschlechtsidentität.