Neben der Spur des Regenbogens: Ich bin ein Schwules Mädchen.

Genderqueer-Girlfag
Genderqueer-Fahne mit dem Girlfagsymbol

Seit einem halben Jahr bezeichne ich mich als Girlfag. Ich habe lange dieses Begehren gespürt, nur fehlte mir die Sprache etwas zu erfassen, das es nicht zu geben schien.

Versuche meine Gefühle anderen näher zu bringen verursachten immer überforderte Gesichter. In ihren Augen sah ich kleine Warnlämpchen aufblinken: „Fehler im System! Fehler im System!“

Seit die Queerulant_in das Thema Girlfags und Guydykes als Schwerpunkt behandelt hat, hatte ich endlich ein Wort gefunden! Endlich wusste ich: Das existiert! Es schwirrte nicht mehr lose in meinem Kopf rum. Ich war völlig aus dem Häuschen, ein seltsames Kribbeln, ein: Ich bin nicht allein!

Gleichzeitig war mir klar, dass „Girlfag“ nur ein Versuch ist einem Begehren einen Namen zu geben und es für jede Person etwas anderes sein kann:
z.B sich als Frau schwulen Männern hingezogen fühlen, sich androgynen Männern hingezogen fühlen, als Frau das eigene Begehren für Männer als schwul empfinden – genderqueer oder genderfluid sein, ein „schwules Auge“ haben, Männer anders begehren als der Heteromainstream für Frauen vorgibt, „two boys for every girl“, sexuelle Praktiken und Fetische bevorzugen, die mit Schwulsein oder schwuler Subkultur und Ästhetik assoziiert werden wie etwa Lederbären oder Tom of Finland Bilder… und noch vieles mehr .

The last rant I’m wasting on you

Ein sexistisches, rechtes Arschloch und leider mein Ex.

[Trigger-Warnung: Beschreibt eine Beziehung, die als „emotionally abusive relationship“ gewertet werden kann.  Im letzten Absatz beschreibe ich eine Erfahrung mit sexualisierter Gewalt]


Ich hasse
dich dafür, dass du dich in meine Psyche gefressen hast.
Zwei einhalb Jahre lang haben mich Microaggressions und Gaslighting geprägt. Wie oft musstest du mir erklären, dass ich nicht das Recht habe mich so oder so zu fühlen, dass meine Gefühle und Gedanken falsch sind…
Ich hasse dich dafür, dass du ständig darauf beharrt hast, dass du eine Frau „brauchst“, die selbstbewusst und dominant ist, aber mich nie darin ermutigt hast. Du hast von mir gefordert, deine Fantasie von einer starken Frau zu erfüllen, es ging nicht um mich.
Du hast mir beim Laufen gerne auf den Rücken geklopft, um meine Haltung zu korrigiere und mir gesagt, ich soll die Füße nicht so auseinander nehmen, das sähe so watschelig aus. Und ich solle keine kurzen Röcke tragen, denn die langen seien ja eleganter. Und Farben waren ja eh schlimm, ich solle doch am besten Gruftie bleiben. Einmal habe ich ein hellblaues Oberteil gekauft und du hast dich darüber aufgeregt, weil es dich an meinen Pyjama erinnert. Was so schlimm an dem Oberteil war? Ein Pyjama ist nicht sexy und schließlich ist es doch klar, dass ich am besten ständig sexy sein und dir gefallen muss, wenn wir in einer Beziehung sind.

Jugendzeitschriften, oder: Eine Lektion in Slutshaming

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(cc) Annamaria B.

In diesem Text beziehe ich mich auf meine eigenen Erfahrungen, rekonstruiere meine Wahrnehmung als Kind und behandle ausdrücklich Cis-Weiblichkeiten, weil ich für Trans* nicht sprechen kann.

 

Es gibt wohl nichts peinlicheres als beim Masturbieren erwischt zu werden – egal in welchem Alter. Wenn es nicht gerade die_der Liebste ist oder die sexpositive Mitbewohnerin, sondern eine Person, die mir zuvor noch erklärt hat, warum zu viel Sex schlecht ist und dass Menschen, die ihre Triebe kontrollieren, erfolgreicher sind…
Und dann sitz ich wie versteinert da und überlege mir, was jetzt am schlausten wäre. Hier ist wohl die nächsten Tage erröten und in Gedanken den Schädel gegen ne Kante hauen die einzige Option. Ach ja, und hoffen, dass sie die Situation morgen vergessen wird. Haha.
Die andere Möglichkeit ist einen Text zu schreiben, damit die Welt was zu lachen hat. Bitte sehr. Das Thema ist aber nicht wirklich zum lachen, sondern sehr politisch.

Wie ich zum Feminismus kam

Von Scheißtypen, Männercliquen und internalisiertem Sexismus

1. Meine erste Begegnung mit Feminismus

In der Zeit bin ich ein sechszehnjähriges Gothic-Girl, dessen größte Sorge ist, ob die Corsage sitzt und wie wohl das neue Nightwish-Album werden wird.
Der „Mittlere Schulabschluss” steht an und alle tun sich für die Präsentationsprüfung in Gruppen zusammen. Eine Mitschülerin fragt, ob ich in ihre will: Thema noch unklar, irgendwas mit Frauen. Ich bin dabei. Eine Woche später steht es fest: `Die Frauenbewegung in Deutschland von der Weimarer Republik bis heute´. Ich notiere mein Unterthema: Neue, autonome Frauenbewegung und ab zur Bücherei. Wellenmodell, 68er, SDS, Tomatenwurf, „Wir haben abgetrieben”, §218, Schwarzer, PorNO… ich notiere und notiere. Ich beschäftige mich seit kaum einem Monat und eigentlich unfreiwillig damit und kann schon rumnerden.
Meine Gruppe stellt am Ende des Referats eine Diskussionsfrage: „Sind wir denn heute emanzipiert?” Die Prüferinnen schauen sich an und nicken. Ihre Blicke sagen: gute Frage. Unser Fazit ist eine Mischung aus pathetischer Dankbarkeit an die Frauenbewegungen der Vergangenheit, das Anerkennen ein paar noch bestehender Ungleichheiten, aber im Großen und Ganzen, das haben wir festgestellt, sind wir emanzipiert. Danke Feminist*innen, wir brauchen euch nun nicht mehr. Die Prüferinnen nicken. Eine glatte Eins für alle und weiter geht’s im faden Schulalltag.
Aber ich merke, dass mich das Thema nicht loslässt. Das Gelernte wende ich sogar an und bleibe nicht ruhig, wenn ich etwas für sexistisch erachte. Ich habe im Freundeskreis schon den Ruf „Emanze” weg, das geht echt schnell! Den Spott in der Stimme überhöre ich.
Irgendwann wird „Frauenbewegung” noch einmal in der Schule thematisiert, so für zwei Unterrichtsstunden. Der Lehrer gibt ein ähnliches Fazit, mit Angela Merkel als Argument und es wirkt so, als hätte es nie etwas anderes als die weiße, bürgerliche Frauenbewegung gegeben.

2. Feminismus schadet meiner Beziehung

Mit 17 verliebe ich mich in den vermutlich konservativsten und arrogantesten