Nenn meinen Täter nicht Arschloch!

Warum Täter-Bashing für Betroffene grenzüberschreitend sein kann

[Content Warning: Kommentare auf Abuse-Erfahrungen, im Wortlaut nur Täter-Bashing, Victim-Blaming wird nur erwähnt.]

 Ich habe einen Text über mein Zwangsouting veröffentlicht, der inzwischen, zumindest vorerst, mit einem Passwort versehen ist. (Wer ihn gern lesen möchte, kann mir auf Twitter oder auf tochterkampfstrumpf[at]web.de eine Nachricht schreiben.) Warum? Als ich vor einiger Zeit mehrere Kommentare von völlig unbekannten Leuten auf den Text bekam, war ich zwar erleichtert, dass es sich nicht wie sonst um ungewollte Ratschläge oder sogar Victim Blaming handelte, doch was ich da sah, stimmte mich auch nicht gerade glücklich.

Alle Kommentare machten den Täter fertig, in diesem Fall meinen Vater und ich las häufig „Arschloch“ und Vergleichbares. Einige verstehen womöglich nicht, warum Täter-Bashing ein Problem ist. Deshalb dieser Text.

Ich bin mehr als Ms. Sexpositiv!

Ein paar Gedanken zu Sexpositivismus in queeren Räumen

Noch bis vor kurzem hätte ich mich selbstüberzeugt als „sexpositive Feministin” bezeichnet und Leuten, die abfällig von sexnegativen Feminist*innen als „prüde Emanzen” reden, erklärt, warum das total veraltet, Alicer Schwarzer ist und wie anders und cool ich bin.

Das liegt daran, dass mich der Sexpositivismus in queeren Räumen sehr empowert hat, ich ein anderes Verhältnis zu meinem Körper entwickeln konnte und mich weniger für Promiskuität, BDSM etc. schämte, auch wenn ich natürlich noch immer in einem Prozess stecke. Ich feier(t)e Lady Bitch Ray und „Feuchtgebiete”, traute mich plötzlich über Sex zu reden und nachzudenken, ohne mich hinter einem Schleier von Peinlichkeit zu verstecken. Ich traute mich Kurzgeschichten mit expliziten Sexszenen vorzulesen und sprach öffentlich diese Ironie oder Doppelmoral an, in der wir einerseits permanent von sexualisierten, normschönen Körpern umgeben sind, uns der Imperativ: „Hab Sex, sei alles außer prüde, kauf Dildos, guck Pornos!” in den Hinterkopf gepflanzt wird, während es andererseits als eklig und verstörend empfunden wird, wenn eine Frau ohne Hemmungen und vulgär über Sex und Körperlichkeit redet, als sei das eine Negierung ihrer Geschlechtsidentität.

scriptfehler (kurzgeschichte)

[Content Warning: Es geht um BDSM und enthält einige sexuell-explizite
Stellen. Außerdem behandelt es eine missglückte BDSM-Affäre, aufgrund
von Sprachlosigkeit, Sexismus, fehlender Awareness.]

Jemand hält ein BDSM-Halsband
ich drück mir die stöpsel tiefer in die ohren. der bus kommt, ich steige ein. song auswählen, den vom letzten mal, der die erinnerung frischer färbt. der bus fährt los.
ich schaue auf mein handy. hausnummer 21, hat Er geschrieben. dort wohnt Sie. Ich bin nicht aufgeregt. kein bewusstes atmen gegen die angst vor dem mut. nur ein versinken in der bassline und sich erinnern an Seinen satz: küss Sie, dass Sie nicht mehr aufhören will und mein Sie-mustern und abstellen des strawberrydaiquiriglas. der dumpfe klang auf dem tisch, meine armbewegung kündigen eine neue szene an. ab hier kein zurück mehr, das wäre ein scriptfehler. ein luftholen gegen die angst vor dem mut. und dann die feine pinselführung, Ihr rot geschminktes lächeln. es schmeckt süßlich und schüchtern. Sie will nicht aufhören, ist es, die mich wild umschlingt, Ihre beine um mich schließt. ich schmecke den duft in Ihrem nacken, rosa und ein bisschen bordeaux. ziehe die linie Ihrer taille nach. fühl mich viel zu groß, mit meiner hand, die Ihre ganze brust bedeckt. bin der macker aus den filmen mit einer zierlichen lady auf dem schoß. bin breitbeinig und überfordert. geschlechtergrenzen im kopf verwischen. ich bin gleichzeitig. genieß unsere neugierigen finger. sehe Ihn, wie Er uns beobachtet, mit selbtgefälligem grinsen: der anfang ist gemacht, mit lesbenintro, jetzt gehts los. Er merkt nicht, dass ich schwul bin, als ich Ihn liebkose. bin wieder frau, als Er mich in die knie zwingt. submissiv, masochistin: Er zieht mir meine alte rolle an. zieht mich aus.

Girlfags und Fangirls

MittelfingerWer sich mit dem Thema Girlfags & Guydykes auseinander setzt, stellt schnell fest, dass sie in vielen queeren Kreisen alles andere als akzeptiert sind. Horrorgeschichten tauchten auf, von Frauen, die Gayromeo-Profile faken, um schwule Männer zu daten und „umzudrehen“. Eine Bekannte von mir wurde aus einer schwulen Beratungsstelle gejagt, als sie dort über die Verwirrung mit ihrer neu entdeckten Orientierung sprechen wollte.
Girlfags seien bloß Fetischist_innen, die Männer objektifizieren oder naive Yaoi/BL-Fans. Und Guydykes… gefährliche Typen, die Lesben belästigen.
Ich habe die Vermutung, dass viele Missverständnisse daher resultieren, dass der Begriff GirlFAG (Cis-)Schwulsein festzuschreiben scheint – vielleicht kommt daher die Panik, dass die große Girlfags-Armee schwule Räume stürmt und die Cis-Typen belästigt. Als hätten Girlfags nur die Option…