Gute Opfer, schlechte Opfer

#MeToo: Warum ich schwieg, log und mich schämte und warum jede Form von Victim-Blaming gefährlich ist.

[Content Warning: Sexuelle Belästigung, sexualisierte Gewalt, Freiheitsberaubung]

Zwei Stinkefinger, mit rot lackierten Fingernägeln, vor grünem Hintergrund.

Immer, wenn ich unter dem #metoo-Hashtag Erfahrungen anderer lese, höre ich die Stimme, die mir sagt: „Du darfst auch auspacken!“ und die Scham, die mich bei einem bestimmten Vorfall daran hindert. Aber ich habe mich endlich entschieden, das Erlebnis zu teilen. Davon wissen nur wenige Menschen, weil ich es oft nicht schaffe, darüber zu sprechen ohne mich selbst fertig zu machen. Egal, wie feministisch ich bin, es fällt mir trotzdem schwer, die Schuld nicht bei mir zu suchen. Das zeigt wie fucked-up Victim-Blaming und Rape Culture sind. Da aktuell ein Zeit-Artikel rumgeht, der Frauen dazu auffordert, sich einfach weniger zu schminken und nichts anderes als Victim-Blaming betreibt, führe ich anhand meiner Erfahrungen mal aus, was passiert, wenn man sich als Betroffene die Schuld selbst gibt. Kurze Antwort: Es spielt dem Täter in die Hände und fördert das Schweigen Betroffener. Nicht überraschend. Überhaupt ist das nicht etwa ein Thema, zu dem es nicht schon drölfzigtausend feministische Artikel gibt. Aber das reicht offensichtlich noch immer nicht.

Nenn meinen Täter nicht Arschloch!

Warum Täter-Bashing für Betroffene grenzüberschreitend sein kann

[Content Warning: Kommentare auf Abuse-Erfahrungen, im Wortlaut nur Täter-Bashing, Victim-Blaming wird nur erwähnt.]

 Ich habe einen Text über mein Zwangsouting veröffentlicht, der inzwischen, zumindest vorerst, mit einem Passwort versehen ist. (Wer ihn gern lesen möchte, kann mir auf Twitter oder auf tochterkampfstrumpf[at]web.de eine Nachricht schreiben.) Warum? Als ich vor einiger Zeit mehrere Kommentare von völlig unbekannten Leuten auf den Text bekam, war ich zwar erleichtert, dass es sich nicht wie sonst um ungewollte Ratschläge oder sogar Victim Blaming handelte, doch was ich da sah, stimmte mich auch nicht gerade glücklich.

Alle Kommentare machten den Täter fertig, in diesem Fall meinen Vater und ich las häufig „Arschloch“ und Vergleichbares. Einige verstehen womöglich nicht, warum Täter-Bashing ein Problem ist. Deshalb dieser Text.

Der Ex im Kopf

Ich hab mich immer wieder gefragt, was das bedeuten soll: „eine emanzipierte Frau“. Emanzipiert wovon, vom Patriarchat? Wie kann mensch von etwas emanzipiert sein, dass allgegenwärtig und scheiß-real ist? Ich kann mich sicherlich von einigen Aspekten emanzipieren, lernen mich für meinen Körper nicht mehr zu schämen, meinen eigenen Maßstab bestimmen, mir meine Freiräume schaffen, allerdings stecke ich mitten in dem patriarchalen System, bin in ihm sozialisiert worden und werde auch weiterhin Diskriminierung in ihm erfahren. Emanzipation verstehe ich als einen schmerzhaften und gleichzeitig bereichernden Prozess ohne Ende und das Bild von der „emanzipierten Frau“ ist vemutlich nichts anderes als der Versuch das Trugbild aufrecht zu erhalten, es gäbe soetwas wie die Aufhebung des Patriarchats, auch wenn es in Wahrheit nur ein paar Privilegien sind, die einigen weißen, heterosexuellen, bürgerlichen Cis-Frauen zugesprochen werden.

The last rant I’m wasting on you

Ein sexistisches, rechtes Arschloch und leider mein Ex.

[Trigger-Warnung: Beschreibt eine Beziehung, die als „emotionally abusive relationship“ gewertet werden kann.  Im letzten Absatz beschreibe ich eine Erfahrung mit sexualisierter Gewalt]


Ich hasse
dich dafür, dass du dich in meine Psyche gefressen hast.
Zwei einhalb Jahre lang haben mich Microaggressions und Gaslighting geprägt. Wie oft musstest du mir erklären, dass ich nicht das Recht habe mich so oder so zu fühlen, dass meine Gefühle und Gedanken falsch sind…
Ich hasse dich dafür, dass du ständig darauf beharrt hast, dass du eine Frau „brauchst“, die selbstbewusst und dominant ist, aber mich nie darin ermutigt hast. Du hast von mir gefordert, deine Fantasie von einer starken Frau zu erfüllen, es ging nicht um mich.
Du hast mir beim Laufen gerne auf den Rücken geklopft, um meine Haltung zu korrigiere und mir gesagt, ich soll die Füße nicht so auseinander nehmen, das sähe so watschelig aus. Und ich solle keine kurzen Röcke tragen, denn die langen seien ja eleganter. Und Farben waren ja eh schlimm, ich solle doch am besten Gruftie bleiben. Einmal habe ich ein hellblaues Oberteil gekauft und du hast dich darüber aufgeregt, weil es dich an meinen Pyjama erinnert. Was so schlimm an dem Oberteil war? Ein Pyjama ist nicht sexy und schließlich ist es doch klar, dass ich am besten ständig sexy sein und dir gefallen muss, wenn wir in einer Beziehung sind.