Du überhörst mich

Bigender-Flagge
Bigender-Flagge

Ich sage dir, ich bin weiblich und männlich.
Ich sage dir, ich bin bigender.
Du akzeptierst das.
Du hast schon mal von Non-binarys gehört.

Ich sage dir, ich wurde bei der Geburt in „weiblich“ einsortiert.
Ich sage dir, ich bin feminin und nutze Sie-Pronomen.
Aber da ist ein Teil in mir, der männlich ist.
Du akzeptierst das.
Du hast gelernt, Non-binarys können so oder so aussehen
und dieses und jenes Pronomen nutzen,
das ändert nichts.

Ich sage dir, mein Begehren für Männer
ist dieser männliche Teil in mir.
Ich sage dir, ich begehre Männer als Mann.
Du akzeptierst das.
Du bist neugierig.
Du kennst da jemanden, bei dem das ähnlich ist.

Die Beziehung ist geöffnet und die Welt steht Kopf?

Ein zerbrochener Herzchen-Lollie auf dem Boden
Ein zerbrochener Herzchen-Lollie auf dem Boden

Auf dem Anxious Polys Unite Stammtisch treffe ich oft Menschen, die gerade eine schwere Zeit durchmachen, weil sie ihre bisher monogame Beziehung öffnen wollen. Besonders häufig suchen Personen nach Rat, die damit überfordert sind, dass die*der Partner*in nun plötzlich noch eine weitere Beziehung führt oder führen will. Sie sind von ihrer Eifersucht überwältigt und hoffnungslos.
Ich habe das auch durchgemacht und will meine Erfahrungen teilen, um all diesen Menschen Mut zu machen. Als ich damals nach positiven Affirmationen suchte, fand ich nur Schlaumeier, die mir rieten es gänzlich sein zu lassen. Aber das ist Bullshit! Egal wie hoffnungslos es sich für dich gerade anfühlt – es muss nicht so bleiben!

Mimicry: Girlfag in a nutshell

„Mimicry“-DVD
Vor ein paar Tagen kam die „Mimicry“-DVD bei mir an!

Mimicry“ ist ein mittellanger Spielfilm von Jennifer von Schuckmann aus Frankfurt am Main, mit Freya Kreutzkam in der Hauptrolle. Es ist der erste Film, der explizit von einer schwulen Frau handelt – der Coming-Out-Film, auf den alle Girlfags gewartet haben! Ich habe das Vergnügen ihn zu rezensieren.
Selbst wenn man die Handlung kennt, ist der Film noch spannend – trotzdem: SPOILER ALERT! Ich habe euch gewarnt.

Mimis Selbstfindung

Die Protagonistin Mimi (Freya Kreutzkam) ist eine Japanologie-Studentin in ihren Zwanzigern, die von einer unglücklichen Hetero-Begegnung in die nächste gerät. Sie begibt sich in der Queer- und Techno-Clubszene auf die Suche nach sich selbst. Mimi schlüpft in verschiedene Rollen, schläft mit Männern und Frauen, schneidet sich übereilt die Haare ab und schnürt sich die Brüste weg – doch findet keine Ruhe. Auf einer Party vertraut Mimi ihre Identitätskrise einer Drag Queen (Aetschy) an: „Ich bin kein Mann und auch keine Frau“. Die Drag Queen antwortet: „Du bist so viel mehr als das. Vielleicht hast du bisher am falschen Ufer gesucht?“ Mimi wird klar, dass sie etwas ist, was es eigentlich nicht geben kann: Eine schwule Frau.

Gute Opfer, schlechte Opfer

#MeToo: Warum ich schwieg, log und mich schämte und warum jede Form von Victim-Blaming gefährlich ist.

[Content Warning: Sexuelle Belästigung, sexualisierte Gewalt, Freiheitsberaubung]

Zwei Stinkefinger, mit rot lackierten Fingernägeln, vor grünem Hintergrund.

Immer, wenn ich unter dem #metoo-Hashtag Erfahrungen anderer lese, höre ich die Stimme, die mir sagt: „Du darfst auch auspacken!“ und die Scham, die mich bei einem bestimmten Vorfall daran hindert. Aber ich habe mich endlich entschieden, das Erlebnis zu teilen. Davon wissen nur wenige Menschen, weil ich es oft nicht schaffe, darüber zu sprechen ohne mich selbst fertig zu machen. Egal, wie feministisch ich bin, es fällt mir trotzdem schwer, die Schuld nicht bei mir zu suchen. Das zeigt wie fucked-up Victim-Blaming und Rape Culture sind. Da aktuell ein Zeit-Artikel rumgeht, der Frauen dazu auffordert, sich einfach weniger zu schminken und nichts anderes als Victim-Blaming betreibt, führe ich anhand meiner Erfahrungen mal aus, was passiert, wenn man sich als Betroffene die Schuld selbst gibt. Kurze Antwort: Es spielt dem Täter in die Hände und fördert das Schweigen Betroffener. Nicht überraschend. Überhaupt ist das nicht etwa ein Thema, zu dem es nicht schon drölfzigtausend feministische Artikel gibt. Aber das reicht offensichtlich noch immer nicht.

Ich bin eine schlechte Bisexuelle und stolz drauf!

Ein Lolli mit einer Sprechblase, in der steht: "Bisexuals aren't real. We're just incredibly sexy hallucinations!"
„Bisexuals aren’t real. We’re just incredibly sexy hallucinations!“

Heute ist der 23. September 2017, also der Bi-Visibility-Day. Seit 2014 versuche ich für dieses Datum einen Artikel zu schreiben – eine Art Coming-Out-Text. Bislang bin ich immer daran gescheitert. Today is the day: Egal was heute (Ziel ist vor Mitternacht!) auf meinem Blog veröffentlicht wird – heute oder nie!
Warum fällt es mir eigentlich so schwer über meine Bisexualität zu schreiben? Bei den Poly- oder Girlfag-Artikeln hab ich’s doch auch geschafft. Vermutlich, weil ich sehr schnell in einer Schleife aus Rechtfertigungen lande: „Kuckt mal, ich bin echt! Akzeptiert mich!“ Das fühlte sich jedes mal falsch an, also ließ ich einen Entwurf nach dem anderen liegen. Oft merkte ich beim Schreiben, wie ich eigentlich nur versuchte zu beweisen, dass ich zu den „guten Bisexuellen“ gehöre. Ich hab den Mist zu gut verinnerlicht.